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10.09.2017 – Vilnius-Marathon – Schönes (Laufen) in der größten Stadt des Baltikums

Samstagmorgen, ich sitze im Zug und begebe mich auf den Weg zu meinem nächsten Laufreiseziel. Viele europäische Metropolen und Hauptstädte konnte ich schon läuferisch erkunden, nunmehr sollte es Vilnius, die Hauptstadt Litauens sein. Bereits meine Reise nach Riga hat mich in das Baltikum geführt und seiner Zeit begeistert. Und so war ich mehr als gespannt, ob es diesmal ähnlich sein wird, wenngleich mein langjähriger Laufreisenbegleiter Gert diese Reise leider nicht mit mir in Angriff nahm. Im Zug zum Flughafen Berlin-Schönefeld dann die erste Überraschung - traf ich doch Volker, der sich in geheimer Mission auf seinem Weg nach Bernau befand. Ein kurzer Plausch und erstaunte Blicke, ob des Vorhabens, dann trennten sich unsere Wege. Seine Geschichte könnt ihr übrigens im vorherigen Artikel lesen. Klasse Leistung Volker!

Aber nun zurück zu meiner Reise. Nach kurzer Frühstückspause (Moni, Deine Brötchen sind besser!) am Flughafen, flog ich im Billigflieger („Irische Sardinenbüchse“) in knapp 1,5h direkt nach Vilnius. Die 560.000-Seelen-Metropole empfing mich mit schönem Spätsommerwetter und einer zentrumsnahen Anbindung von Flughafen und Innenstadt (ca. 20min mit dem Bus - Fahrpreis 1 EUR). Trotz Zeitverschiebung (+1h) gelang es mir noch bequem in einem soliden Hotel einzuchecken und in das Zentrum der Stadt zu schlendern. Dabei konnte ich mir einen ersten Eindruck von der historischen Altstadt machen, welche seit 1994 zum UNESCO-Welterbe zählt. Dort erwartete mich eine gut sortierte Marathonmesse direkt auf dem zentralen Kathedralen-Platz, eingerahmt von den vielen schönen mittelalterlichen Gebäuden. Ein würdiges Ambiente für solch ein sportliches Großereignis. Die Startunterlagen waren schnell besorgt und zudem fand zusätzlich noch ein preislich unschlagbares Nike-Funktionshirt (9 EUR) in meinem Starterbeutel platz. Darin befanden sich u.a. auch Rote-Beete-Saft, welcher einer Blutkonserve glich und eine schöne Packung Toastbrot (MHD 11.09.17). Naja, andere Länder – anderen Sitten! Für ausreichend Wettkampfatmosphäre war aber in jedem Fall gesorgt. Entspannt und kohlenhydratmäßig gut versorgt, konnte also der Renntag kommen.

Nervosität am Wettkampftag – wer kennt das nicht. Selbst den abgeklärtesten Laufenthusiasten befällt diese spätestens beim Frühstück. Gesteigert wird diese immer dann, wenn man sich bestimmte Ziele gesetzt hat und/oder sich in einer Gruppe mit anderen Läuferinnen und Läufern befindet. Für ersteres konnte ich keine Leistungsexplosion bei mir erwarten. Eine Zeit von unter 1:30h auf der Halbmarathondistanz erschien mir beim derzeitigen Trainingsstand daher schon recht ambitioniert und für den zweiten Auslöser sorgten die anderen Läuferinnen und Läufer im Frühstücksraum des Hotels, die die üblichen Läuferphrasen zum Besten gaben. Das Einlaufen hin zum Start verlief planmäßig und so fand ich mich kurz vor 9 Uhr bei bestem Laufwetter im Startblock A gleich hinter der Startlinie ein. Kaum Gedrängel und Geschubse, herrlich entspannt. Recht eindrucksvoll wurde es dann kurz vor 9 Uhr, als das Nationalbewusstsein der Litauer zu Tage trat und ungezählte Kehlen die Nationalhymne sangen und sich alsdann knapp 3.000 Läuferinnen und Läufer auf die Marathon (2 Runden) bzw. Halbmarathondistanz (1 Runde) begaben. Schnell führte die Strecke aus der Altstadt hinaus über den Fluss Wilna direkt zu einem kleinen Stadtwäldchen, welches sich gut mit dem Berliner Tiergarten vergleichen lässt. Hervorragend ausgebaute Radwege waren für ca. 5 km die Laufstrecke in der grünen Lunge Vilnius´, welche jedoch auch den ein oder anderen Anstieg bereithielt. Das Tempo stimmte, die Verpflegungsstationen auch, so konnte ich getrost die zweite Hälfte in Angriff nehmen. Der Weg führte nun über eine schier endlose Einkaufsmeile zurück in die Altstadt, die zum Ende nahezu komplett durchlaufen wurde. Nun war alles dabei. Großes, kleines, grobes, feines Kopfsteinpflaster, verwinkelte Ecken und schließlich ein ca. 1 km langer Anstieg zu den Überresten einer Festung. So war ich schließlich doch mehr als froh, die letzten zwei Kilometer bergab ins Ziel laufen zu können und nicht noch eine zweite Runde laufen zu müssen. Gern nahm ich im Ziel meine Finisher-Medaille und das Ergebnis von 1:28:53h in Empfang.

Nach dem Lauf folgt traditionell der kulturelle Teil meiner Laufreisen. Zuvor musste aber eine ausgedehnte Mittagsruhe die Energie zurück in meinen Körper bringen. Danach machte ich mich mit schmerzender Muskulatur auf zum fröhlichen Sightseeing-Schlurfen. So genoss ich vom Gediminas-Berg die Aussicht über die Altstadt und schaute ein wenig den vielen Läuferinnen und Läufern auf den Unterdistanzen zu (10km, 5km, 4,2km). Ein kleiner Geheimtipp sollte am darauffolgenden Tag folgen. Der Besuch im interaktiven Illusionsmuseum sorgte bei mir das ein oder andere Mal für Verblüffung und die zahlreichen Kirchen, historischen Gebäude und der imposanten Markthallen lassen wirklich keine Zweifel an der Welterbetauglichkeit zu. Gut zu erkunden ist Vilnius übrigens auch über die vielen Mieträder in der Stadt, welche ich nochmal am Abreisetag nutzte.

Ein Fazit zu dieser Laufreise fällt mir leicht: Diese Stadt muss besucht werden, wenngleich abseits der Altstadt städtebaulich noch einiges zu tun ist. Ein Anlass dazu bietet der nächste Vilnius-Marathon am 09.09.2018.

Text/Bild: Thomas Probst


 

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