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28./29.01.2018 - 24h-Schwimmen in Dietenhofen – Einen Tag lang Kacheln zählen!

Seit längerem spielte ich schon mit dem Gedanken, an einem weiteren Schwimmwettbewerb teilzunehmen. Die 100x100 in Hamburg hatten es mir angetan und ich versuchte immer wieder auch Ines die Sache schmackhaft zu machen. Das war diesmal jedoch ein ungewöhnlich schwieriges Unterfangen, weil sich Ines die geforderten 2:15min auf 100m nicht zutraute. Eines Tages kam sie dann aber plötzlich mit einer noch viel irrer klingenden Aktion um die Ecke - Ines schlug ein 24h -Stundenschwimmen vor! Bei diesem gab es keinerlei Zeitvorgaben, keine Mindestanzahl an Kilometern oder Bahnen, kein vorgegebener Schwimmstil - einfach in 24h irgendwie schwimmen so viel man eben schaffte. Mein Interesse war sofort geweckt und ich begann mit der Recherche nach einem Wettkampf, der irgendwie in unseren bereits schon übervollen Trainingsplan passte. Ich war total überrascht, wie groß die Szene der Extremschwimmer ist und wie viele Möglichkeiten es gibt, mehrere Stunden am Stück zu schwimmen. Schnell kristallisierte sich der Januar als optimaler Zeitpunkt und schließlich dann das 24h - Schwimmen in Dietenhofen als geeigneter Wettbewerb heraus, um einfach mal zu probieren, zu was wir schwimmend in der Lage sein würden. Eine großartige Anmeldung war nicht notwendig - einfach nur hinfahren - den normalen Eintritt der Schwimmhalle zahlen - 24h schwimmen - fertig.

Am 28.01. ging es los. Völlig ahnungslos, was uns erwarten würde, ohne jegliche Strategie, aber mit jeder Menge Handtücher, Badeanzüge, Leselektüre und Nervennahrung im Gepäck machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Dietenhofen im Fränkischen Wald. Kurz nach 13 Uhr erreichten wir den erstaunlich leeren Parkplatz vor der Schwimmhalle und auch in der Halle war noch nichts davon zu merken, dass hier in einer knappen Stunde ein 24h - Stunden - Schwimmen starten würde. Das öffentliche Schwimmen lief noch, die Mitglieder der ortsansässigen DLRG bauten gerade den Verpflegungsstand für die Teilnehmer auf und klebten ein paar wenige Hinweisschilder an die Wände, wo wir Toiletten oder eine Schlafmöglichkeit finden würden. Die Anmeldung war schnell erledigt - wir erhielten die Startnummern 2 und 3, was uns noch einmal zeigte, dass wir so ziemlich die ersten Ankömmlinge waren. Also schauten wir uns erst einmal um. Schnell entdeckten wir die Schlafmöglichkeiten im riesigen Musiksaal der angrenzenden Schule und bauten unser Lager auf. Dann noch eine kleine Stärkung am liebevoll aufgebauten Verpflegungsstand und schon wurde es Zeit sich umzuziehen. Kurz vor 14 Uhr betraten wir die kleine schnucklige Schwimmhalle mit 4 Bahnen à 25m. Wir bekamen unsere Startnummer auf beide Arme geschrieben, einen Teilnehmerzettel und eine kurze Einweisung. Die Regeln sind schnell erzählt. Sobald wir schwimmen wollten, mussten wir unsere Teilnehmerzettel einem der Helfer übergeben, die mit Klemmbrettern bewaffnet an einem Ende der Bahn saßen. Jedes Mal, wenn wir bei diesen vorbei kamen - also nach 50m - machten die Helfer ein Kreuzchen auf unserem Zettel und zählten auf diese Art und Weise unsere geschwommenen Bahnen. Wenn wir keine Lust mehr haben sollten und die Schwimmhalle für eine Pause verlassen wollten, mussten wir die Zettel abholen und bei weiteren Helfern abgeben, um unsere Pause offiziell anzuzeigen. So sollte wohl verhindert werden, dass wir draußen eigenständig noch ein paar Kreuzchen ergänzen würden. Sobald wir wieder fit sein würden, würden wir unsere Zettel wieder abholen und das ganze Prozedere ginge von vorn los. Nun denn -wir waren bereit! 14 Uhr erfolgte per Mikrofon eine kurze Begrüßung und der noch viel kürzere Startschuss. Auf Bahn 2 schwammen laut Info der Helfer die Schnellschwimmer, sodass wir uns zunächst für eine Außenbahn entschieden. Schon bald stellten wir jedoch fest, dass dies keine gute Entscheidung war, da es am Ende der Bahn eine Treppe gab, die die Wende erschwerte und Minute um Minute füllte sich die Bahn mit Kindern.  Schnell verschafften wir uns einen Überblick über Anzahl der Schwimmer, Schwimmstile und Geschwindigkeiten und wechselten auf Bahn 1. Auch wenn hier einige starke Teilnehmer/innen durchs Wasser pflügten, die eigentlich auf die Schnellschwimmerbahn gehörten, konnten wir sehr gut mithalten. Gleichmäßig und tatsächlich durchgängig im Kraulstil zogen wir Bahn um Bahn und sammelten Meter um Meter.  Nach 1 Stunde hatten wir 2km geschafft- Zeit für eine kurze Pause. Wir setzen uns an den Rand, beobachteten das Geschehen und philosophierten über den weiteren Verlauf. 20 Minuten später ging es wieder ins kühle Nass. Erneut schafften wir eine Stunde und weitere 2km und entschieden uns diesmal für eine etwas längere Pause mit Kaffee und Kuchen. Es ging uns richtig gut und es fühlte sich so gar nicht wie Wettkampf an. Gestärkt wiederholten wir unsere erste Schwimmeinheit- also 1 Stunde schwimmen - 20min Pause - 1h schwimmen - längere Pause-diesmal mit einer leckeren Kartoffelsuppe. Inzwischen war es schon abends, die Ersten hatten sich in ihre Schlafsäcke verkrochen und versuchten zu schlafen. Bevor wir es ihnen gleichtun würden, wollten wir jedoch noch einmal eine Einheit im Wasser absolvieren. Es wurde aber schon deutlich schwerer. Es waren jedoch nicht die Müdigkeit oder fehlende Kraft - nein es waren Schmerzen im Schulter- Nackenbereich und bei mir ausschließlich im linken Arm. Wir schwammen jetzt 30- 45 Minuten, machten 10 Minuten Pause, schwammen wieder 30 Minuten, nochmal kurze Pause......kurz nach Mitternacht ging dann das erste Mal nichts mehr. Ines war total k.o., die Schultern taten weh, ich hustete mir aufgrund der schlechten Luftverhältnisse in der Halle die Lunge aus dem Hals, bekam meinen linken Arm nicht mehr hoch und hatte Mühe, mich in trockene Sachen zu friemeln. Kurz vor 1 lagen wir warm eingepackt im Schlafsaal, umgeben von einer interessanten Geräuschkulisse und versuchten zu schlafen. Ines ihre Frage, wann es weitergehen sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten. Sie bat mich deshalb nur noch, dass ich sie einfach wecken sollte, wenn ich losgehen würde. Tatsächlich kamen wir zur Ruhe und versanken in kurze Tiefschlafphasen. Da wir bereits eine für uns unglaubliche Strecke geschwommen bzw. gekrault waren, riskierten wir nichts und gönnten uns 6 Stunden Ruhe. Wieder zurück in der Schwimmhalle merkten wir sofort, dass auch hier alle etwas ruhiger geworden waren und viele ins Brustschwimmen übergegangen waren. Da sich mein Arm nicht vollends erholen konnte, musste ich wohl oder übel auch in den Bruststil wechseln - Ines kraulte mutig weiter. Wir kamen weiterhin erstaunlich gut voran - machten ab sofort jedoch immer alle 30 Minuten eine kurze Pause und nach 2 geschwommenen Stunden eine längere mit Stärkung am Verpflegungsstand. Halb 12 begann unser letzter Schwimmabschnitt - wir hatten, beide einen klaren Plan im Kopf, was wir in den verbleibenden 2 1/2 Stunden noch schaffen wollten- jeder kämpfte ab jetzt für sich selbst. Die Bahnen waren zum jetzigen Zeitpunkt noch mal richtig voll- alle mobilisierten ihre letzten Kräfte und wollten noch einmal so viele (Kilo)meter wie möglich schaffen. Es war ein einziges Gewühle und teilweise ein richtiges Chaos - Ines zählte einmal 18 Schwimmer/innen gleichzeitig auf einer (25m) Bahn! Wahnsinn! Dass die fleißigen Helfer am Beckenrand hier noch den Überblick behielten, war teilweise echt erstaunlich. 13:15 Uhr beendete Ines schließlich geschafft aber überglücklich das Rennen. Sie war unglaubliche 18 Kilometer geschwommen. Meine letzten 30 Minuten waren fast die schönsten- denn ich schwamm mit nur noch 2 weiteren Teilnehmern auf der Bahn. Mit großen und ruhigen Zügen zog ich meine letzten Bahnen, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass ich jemanden treten oder auf jemanden auflaufen würde. 5 Minuten vor 14 Uhr gab mir die Helferin, die gerade meine absolvierten Meter kreuzelte das Zeichen, dass die nächsten 7km und damit auch mein 3.Teilnehmerzettel voll waren. Ich hatte 21 Kilometer geschafft und verließ vollkommen überwältigt das Becken. Ines und ich konnten es noch gar nicht richtig fassen und fielen uns überglücklich in die Arme.

Nun hieß es schnell duschen, umziehen und alles zusammenpacken denn innerhalb kürzester Zeit waren schon alle Urkunden gedruckt und die Siegerehrung begann. Über 200 Teilnehmer/innen hatten am 24h-Schwimmen als Einzelstarter oder als Mannschaft erfolgreich teilgenommen. Der Gesamtsieger schwamm unglaubliche 40 Kilometer - Ines und ich belegten mit unserem Ergebnis in unserer Altersgruppe tatsächlich Platz 4 und 5- wir hatten also keinen Grund uns zu verstecken und waren unglaublich stolz. Halb vier saßen wir bereits im Auto und machten uns auf den Heimweg. So schnell wie alles begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei. Wir hatten Dietenhofen gerade 5 Minuten verlassen, da schnorchelte es auch schon auf dem Beifahrersitz - jetzt hatte Ines doch die Erschöpfung übermannt.

Rückblickend ziehen Ines und ich ein absolut positives Resümee - wir sind sogar richtig begeistert. Liebevoll und mit eigentlich wenig Aufwand hat die DLRG Dietenhofen eine kleine, wunderbare Veranstaltung auf die Beine gestellt. Die einzige Optimierung liegt aus unserer Sicht in der Festlegung einer maximalen Anzahl an Schwimmern auf einer Bahn. Somit könnte im Ergebnis sicherlich noch mehr verhindert werden, dass im vereinzelt entstandenen Chaos und Gewühle durch die händische Erfassung doch die eine oder andere Bahn nicht erfasst wurde.

Ja- wir hatten Schmerzen.  Ja - wir hatten Muskelkater. Ja - es war anstrengend. Aber nein- wir haben nicht einmal ans Aufgeben gedacht. Nein- wir bereuten zu keinem Augenblick, dabei zu sein. Ja- wir möchten gern an weiteren Stundenschwimmen (müssen ja nicht immer 24h sein) teilnehmen.

Übrigens erinnert Ihr Euch an unser Gepäck!? Es ist zu 95% unbenutzt wieder im Schrank gelandet. Wir haben beide jeweils genau 2 Handtücher, 2 Badeanzüge, 1 Badekappe und eine Schwimmbrille gebraucht. Wir haben keine Zeile gelesen, keine Musik gehört, wir haben rückblickend nicht mal viele Worte miteinander gewechselt- wir sind einfach nur geschwommen, geschwommen und geschwommen. Was so eintönig und langweilig klingt, war jedoch unheimlich kurzweilig und eine neue bereichernde Erfahrung.

Weitere Infos, Bilder und Ergebnisse findet Ihr hier: https://dietenhofen.dlrg.de/

Text/Bild: Sabine Eckel


 

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