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13.11.2016 – 34. Athen-Marathon – Nike, Barack und Michael O'Leary - Athenmarathon und mehr

Die alte Story ist schnell erzählt. Der Legende nach bekriegen sich vor gut 2500 Jahren die Athener in der Ebene von Marathon mit den Persern. Der Athener Militärstratege Miltiades erweist sich als gewieft und schlägt mit ausgeklügelter Taktik die Perser in die Flucht. Ein Bote wird ins ca. 40km entfernte Athen geschickt, um die Siegesnachricht zu überbringen. Dieser befolgt den Befehl, läuft von Marathon aus nach Athen, spricht den Satz „Wir haben gesiegt!“ aus und bricht sogleich tot zusammen.

Diese hollywoodreife Geschichte wurde bei den Überlegungen zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 dankbar aufgegriffen und ins Olympische Programm Ahtens aufgenommen. Nach ewigem Hin und Her zur genauen Streckenlänge, erfolgte im Jahr 1921 die Festlegung auf die bekannten 42,195 km. Das Abenteuer Marathon erlangte in der Folge mehr und mehr an Beliebtheit und Marathonwettbewerbe schossen nahezu überall auf der Welt aus dem Boden.

Als passionierte Läufer und Marathonis wollten Andreas, Holger, Gert und ich auch einmal auf den historischen Spuren unseres Hobbys wandeln und die legendäre Strecke am historischen Schauplatz unter die Füße nehmen. Gelegenheit dazu bietet seit 34. Jahren der Athen-Marathon.

Am vorletztem Wochenende war es nun endlich soweit und wir machten uns in Begleitung von Andreas´ Partnerin auf in das alte Griechenland. Billigflieger, eine kostengünstige Unterkunft und die Marathonteilnahme waren frühzeitig gebucht, sodass lediglich die touristischen Fragen vor Ort geklärt werden mussten. Mit zwei Archäologen in der Reisetruppe war auch dies freilich kein Problem. Bei strahlendem Sonnenschein und 20°C betraten wir Athener Boden, fuhren alsdann über das Zentrum Athens direkt ans Meer, wo wir auf einer riesigen Marathonmesse unsere Startunterlagen nebst Finisher-T-Shirt in Empfang nahmen. Zum Entspannen begaben wir uns danach recht zügig in unsere Unterkunft nahe des Stadtzentrums, schließlich galt es am nächsten Tag einen Marathon mit Anstand ins Ziel zu laufen.

Bereits 5:00 Uhr stiegen wir aus den Federn und nahmen mit einigen anderen Gleichgesinnten aus Nah und Fern das vorverlegte Frühstück im Hotel ein. Mit Spannung erwarteten wir den Transport der Läuferinnen und Läufer von Athen zum Startort. Schließlich waren rund 14.000 Teilnehmer/innen in Bussen zu befördern. Im Minutentakt trafen diese an unserer Haltestelle ein und ohne lange Wartezeit stiegen wir zu und fuhren bequem nach Marathon. Unsere Fahrstrecke führte quasi entlang der Marathonstrecke und flößte allen Fahrgästen unvermittelt Respekt ein, waren doch einige längere Hügel zu überwinden. Für die meisten war spätestens jetzt klar – hier können keine schnellen Zeiten gelaufen werden. Nach gut 1stündiger Fahrt erreichten wir Marathon und pilgerten sofort zur Siegesgöttin „Nike“, die uns Kraft für den Lauf geben sollte. Die letzten Vorbereitungen alá Gepäckabgabe und Co. waren schnell erledigt und das bunte Läuferfeld sortierte sich in verschiedenen Startblöcken. In Wellen schickte man die Unverzagten ab 9 Uhr auf den Weg nach Athen. Die entsprechenden Eindrücke der LAVler werden nachfolgend serviert.

Holger:

Und der Herr sprach: kleidet Euch spärlich, denn Athen wird Euch einen warmen Empfang bereiten. Gesagt, getan. Als wir 6:30 Uhr am Flughafen Berlin-Schönefeld starteten zählten wir 2 Grad unter null. Angekommen in Athen waren's dann 20, aber drüber. Wir hatten auch schließlich eine Entschädigung verdient, da die Sitzreihen bei Ryanair die engsten waren, die es auf diesem Planeten gibt. Hinzu kam das furchtbargelbe Design der Sitze. Reden wir nicht drüber.

Im Hotel angekommen warfen wir unser Handgepäck ab und holten die Startunterlagen, ließen uns von den vielen Ausstellern beeindrucken und vermieden die Nudelparty. Die Nacht im Männerdreibettzimmer war dank der "gelben Ruh" sanft und erholsam. Am nächsten Morgen hüpften wir mitten in der Nacht in den Bus und fuhren Meilenweit bis Marathon. Nach Erteilung des Segens durch Sportfreundin Nike ging's dann ab. Thomas und Gert sowie Andy und ich paarten uns. Thomas' Beziehung hielt bis zum Schluss, Andy und ich trennten uns bei Km 7. Die Temperatur betrug wohlige 14 Grad, die Sonne war hellwach und das Terrain bis Km 18 leicht wellig, danach bis Km 32 auch etwas mehr. Die restlichen 10 km konnte der, der noch konnte, es rollen lassen. Ich zählte nicht dazu und freute mich im Ziel darüber, im Ziel zu sein. Die gesamte Strecke war von begeisterten Menschen gesäumt und durch Hochleistungslautsprecher, gefüllt mit GreekPop, beschallt. Wasser haben die Griechen offenbar ausreichend, denn bei jedem der 27(!) Verpflegungsposten konnte man neben den isobefüllten Bechern auch immer eine 500ml Wasserflasche ordern, die nicht einer der Läufer ausgesüffelte.

Mein persönliches Highlight war dann der Einlauf im historischen Stadion Panathineiko, the Birthplace of Modern Olympics 1896. Durch die besondere Form und auch durch die vielen Zuschauer war das Finale äußerst stimmungsvoll und der Schmerz in der rechten Kniesehne erträglicher.

Der Rest unseres Kurztripps ist schnell erzählt. Unser Guide Andy führte uns mit erhobenem Schirm durch die alten Steine und die modernen Museumsbauten Athens. Barack Obama bestritt seinen persönlichen Abschiedsmarathon beim Ministerpräsidenten Griechenlands und für den Rückflug musste sich Ryanair andere Opfer suchen.

Andreas:

Für mich war der Trip nach Athen Lauferlebnis und Flucht aus dem nebligen, kalten altmärkisch-barbarischen Norden ins geliebte kulturvoll-sonnendurchstrahlte Hellas; immerhin mein erster offizieller Start auf der klassischen (oder laut Veranstalter) „authentischen“ Strecke von Marathon nach Athen. Dem gingen zwei individuelle Läufe voraus. Gleich nach Fall des „eisernen Vorhangs“ vor mehr als einem Vierteljahrhundert – lies ich mich eines schönen Sommertages in Sportzeug und mit einer 1,5 - Literflasche Wasser per Bus ins Zentrum von Marathon expedieren und lief am Rande der abgasgeschwängerten staubigen Straße einsam bis ins Panathenaiko-Stadion, dennoch tief beseelt vom „genius loci“. Etwa 72 Stunden nach dem überstandenen Spartathlon vor 3 Jahren - eine Überdosis Adrenalin im Blut - wollte ich die „Mission“ standesgemäß beenden und machte mich also spät am Abend am Grabmal der Athener Gefallenen auf den (nur) 37 Kilometer langen Weg ins Athener Stadion.

Große läuferische Ziele hatte auch ich diesmal nicht. Später Zeitpunkt, mangelnder Trainingsfleiß, relativ kurze Adaption an die jahreszeitlich noch recht beachtlichen Temperaturen und nicht zuletzt der bekannte recht profilierte Kurs schraubten die Erwartungen bereits im Vorfeld deutlich herunter. Dank eines recht üppigen Zeitbudgets nach dem Rennen freute ich mich auf die Begegnung mit Altbekannten und Neuem in der griechischen Hauptstadt.

Dennoch lief ich nach dem ob der Massen erstaunlich problemlosen Start - zunächst gemeinsam mit Holger – für diese Prognose noch etwas (zu) flott los. Schnell rückte das Grabmal der Gefallenen (Km 5) näher. Da hatte ich schon einen der von den Einheimischen an der Strecke traditionell angebotenen Ölbaumzweige erhalten, den ich bis ins Ziel bringen sollte. Meine etwas überreizten Sinne nahmen faktisch den gesamten Kurs als stetes Auf und Ab wahr. Meist ging es unter tosenden Lärm in eine talwärts gelegene Ortschaft mit Verpflegungspunkt hinein und anschließend wieder hügelauf. Schon nach 17 Kilometern merkte ich die aufsteigende Erschöpfung. „Nichts anmerken lassen, mindestens erst einmal bis zur Halbmarathonmarke weiter“ so lautete die Losung. Kurz danach meldeten sich auch zunehmend die (zu) wenig trainierten Knochen. Zwischen Kilometer 28 und 34 lief es wieder ziemlich gut. Die Stimmung an der Strecke war trotz teils ohrenbetäubend-plärrender Graeco-Popsongs -irgendwie doch mitreißend.

Der Übergang nach Athen innerhalb des fast als kontinuierlich besiedelter Ballungsraum wahrgenommene Strecke vollzieht sich schleichend. Seltsamerweise fiel das Laufen nach ca. 34 Kilometern wieder schwerer – sowohl energetisch als auch muskulär. Neben dem welligen Streckenprofil, das die Verkrampfungen der geschundenen Extremitäten auslöste,  war zwischenzeitlich mit doch empfindlicher Sonneneinstrahlung und Gegenwind zu kämpfen. Dann endlich - nach einem letzten abschüssigen Wegstück ging es hinein ins belebte Station, dessen langovale Laufbahn antiken Vorbildern verpflichtet ist. Ein würdiger und stimmungsvoller Einlauf – ach, man jeder Marathon sollte im Stadion enden! Dieser Moment entschädigte für manche Strapaze auf der Strecke - irgendwie fühlte ich mich wenigstens bei diesem Marathon dem antiken Helden auch vom körperlichen Zustand sehr verbunden.

Freilich sei angemerkt, dass die schöne Geschichte vom sterbenden Marathonhelden nur wenig verlässliche Quellen hat. Offenbar ist die Geschichte vom Lauf von Athen nach Sparta  über die fast 6-fache Distanz sogar glaubwürdiger. Anlass für beides ist derselbe Feldzug der Athener gegen die Perser im Jahre 490 v.Chr.; sie schickten einen Boten für militärische Unterstützung nach Sparta. Unwahrscheinlich, dass die vergleichsweise kurze Strecke von Marathon nach Athen mit dem Tod des Siegesboten endete, wenn es damals gut trainierte „Berufsläufer“ gab…

Nun, ihr merkt es schon, folgte ein bescheidenes kulturgeschichtlich - lukullisches (ja,  das war der dekadente Genussmensch mit der Gänsefeder am Gaumen) Programm mit Ausblicken auf das antike und zeitgenössische Leben Athens - von der Akropolis bis zum Besuch des scheidenden US-amerikanischen Präsidenten justament am Abflugtag.

Thomas:

Mangels leichter Trainingsunlust und Zeitmangel bin ich ohne konkretes Ziel ins Ursprungsland des Marathons gereist. Wichtiger war mir der gemeinsame Lauf mit Gert, da wir eigentlich noch nie einen Marathon gemeinsam gelaufen sind. Darüber hinaus wollte ich unterwegs auch ein paar Fotos knipsen. Das Feld setzte sich nach dem Startschuss langsam in Bewegung und auf den ersten gut 20 km ging es im gleichmäßigen Tempo gen Athen. Vorbei am Denkmal der 192 Athener Gefallenen in der Schlacht von Marathon führte die, übrigens dauerhaft kilometrierte Strecke, zunächst leicht, dann doch spürbarer bergan. Mit den Höhenmetern stieg auch das Quecksilber weiter und das zeigte bald 21°C. Die Landschaft, typisch mit vielen Olivenbäumen und Sträuchern garniert, lenkte uns aber nur mäßig von der schwierigen Strecke ab, da es nun bis ca. KM 32 recht ordentlich hügelig wurde und uns zudem ein kräftiger Wind entgegen blies. Zahlreise Verpflegungsstellen linderten die Mühen kaum, aber irgendwann war auch der letzte „Gipfel“ erreicht. Mit einigen Stimmungsnestern in der Peripherie Athens, näherten wir uns fortan bergab dem Ziel. Unsere Vorfreude auf den Zieleinlauf im alten Panathineiko-Stadion stieg und wurde letztlich mehr als erfüllt. Ein würdigeres Ziel für einen Marathon kann es meiner Meinung nach nicht geben.

Nach dem sportlichen, folgt bei den Laufreisen ins Ausland immer auch ein kultureller Teil. So stürzten wir uns in den weiteren Tagen ins gesellschaftliche Leben Athens, in dem wir durch Markthallen und angesagte Kneipenmeilen schlenderten. Gern folgen wir auch Andreas´ Vorschlägen und genossen wunderbare Ausblicke vom Athener Hausberg (Lykabethos), bildeten uns im Akropolis-Museum und besuchten zahlreiche antike Tempelanlagen und Bauwerke auf der alten Agora. Alles in allem also ein rundum gelungener (Lauf)Kurzurlaub, welchen wir jeder/m Marathonläufer/in wärmstens an Herz legen können.

Text: Thomas Probst, Holger Stoek, Andreas Neubert
Bild: Thomas Probst


 

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