01.07.2013 - Tag 24 - Finnland

Terve! Wir sind in Finnland und endlich in der EU. Ein Land für das ich durchweg positive Gefühle hege. Als mich Ulf achtundneunzig im Rahmen eines EU-Projektes ins Berufsförderungswerk holte hatten wir sehr viele und nette Kontakte mit finnischen Kollegen. Oft trafen wir uns hier oder dort zum Gedankenaustausch und lernten sehr viel über die Kultur des jeweils anderen. Die finnische Sprache ist für uns eine Katastrophe, sofort verstanden haben wir nur das Wort Taxi, nach einigem Üben lernten wir Worte wie kitos (danke), kippis (Prost) oder olut (Bier). Momentan ist ja das Wort hyttinen (Mücken, für die Rechtschreibung übernehme ich keine Garantie) brandaktuell. In einem Projekt Dezember waren wir mal in Rovaniemi am Polarkreis und besuchten den Weihnachtsmann, denn dort wohnt schließlich der echte. Der Finne als solcher ist „schwermütig, versoffen und vom Tango besessen“ (Zitat: Aki Kaurismäki, großartiger finnischer Regisseur über seinesgleichen). Mit diesen Gedanken im Turnschuh passierte ich also heute Morgen den Grenzfluss und war gespannt ob sich für mich nach über 10-jähriger Suomi-Abstinenz neue Dinge ausmachen lassen. Das oder besser der erste Mensch den ich sah war ein feister Finne in einem Minibagger, der uns in der Nase bohrend anschaute als wären wir diejenigen über die man sich Gedanken machen müsste. Was mir danach positiver auffiel war, dass dieser sehr schmale Zipfel Finnland, der von Norwegen und Schweden droht erdrückt zu werden sehr viel moderner und zivilisierter daher kommt als die letzten 150 Kilometer Schweden. Die hat man in der zentralen Planwirtschaft ganz schön vernachlässigt.

Suomi, gleich kommt der Sandmann um die Ecke

Suomi, gleich kommt der Sandmann um die Ecke

Mit der Querung des Flusses veränderte sich die Landschaft zusehends. Aus den langen und am Ende vorwiegend flachen schwedischen Geraden wurde eine Gegend, bei der man jetzt höchstens 100 m weit gucken kann weil dann nämlich die nächste Kurve kommt. Zu unserem Leidwesen hat die Eiszeit hier einige Hügel vergessen und wie der kundige Läufer weiß, ist bei einem gewissen Ermüdungszustand bereits der geringste Höhenunterschied ein schier unüberwindbares Hindernis. Insgesamt betrachtet war der Läufertag vierundzwanzigsechs ein pomadiger, bei dem uns die Leichtigkeit fehlte. Hinzu kommen die völlig verblödeten Myggas, ach nein, hyttinen, die uns bei den Trink- und anderen Pausen ziemlich malträtieren. Vor zwei Tagen versprachen uns zwei Biker die vom Kap kamen, dass es 200 km davor deutlich ruhiger werden würde mit den Dingern. Ja, sicher, und die Erde is ne Scheibe.

Suomi, noch mal günstig einkaufen

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Euer Holgerlainen


 

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