6 - Rennen

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Rennberichte

von Holger Stoek (Offizieller Supporter und mehr)

Spartathlon 2013 - Wenn's mal wieder etwas länger dauert!

Nein, Andy, nein! Wie stellst du dir das vor als du darum gebeten hast jegliche „Heldenverehrung“ beim Verfassen des Artikels zu unterlassen? Wie soll ich’s denn schreiben, lakonisch? Etwa so: er flog nach Athen, rannte los und kam an. Mein lieber Forrest Neubert!

Als ich am Donnerstag Andy nachfliege bin ich im Zwiespalt. Ich freue mich an diesem Abenteuer als Supporter teilhaben zu dürfen, auf Griechenland und Feta, andererseits frage ich mich, ob der gute Andy solch ein Rennen wirklich beenden kann. Zweihundertsechsundvierzig Kilometer bei zu erwartenden hochsommerlichen Temperaturen. Für ihn ist der Spartathlon eine große Sache, ein großer Traum – als Ultra und als Geschichtsinteressierter. Doch im letzten Jahr haben nur vierzig Prozent das Ziel erreicht…

Athen, Freitag fünf Uhr. Der Wecker klingelt, ich dusche, springe in die Sachen und besteige den Mietwagen. Geplant ist Andy bei allen 75 Checkpoints zu treffen, um ihm Mut zuzusprechen, mit ihm gegebenenfalls die Strategie neu aufzustellen und ihm gegen Ende des Rennens, wenn der Sauerstoff in seiner Kommandozentrale knapp wird, Befehle zum Weitermachen zu erteilen. Andy fährt mit den Athletenbussen zum Start an die Akropolis. Ohne Navi und aufgrund der spärlichen griechischen Beschilderung erreiche ich den Start kurz vor sieben Uhr. Ich hatte schon nicht mehr dran geglaubt es zu schaffen, doch dann gab mir wer auch immer ein Zeichen, besser gesagt ein Hinweisschild mit der Aufschrift AKROPOLIS. Der Tag fängt gut an, ich fühle dass er ein gutes Ende nehmen wird.

Die Rennregularien sind streng. Vor Kilometer 80 dürfen die Sportler nicht kontaktiert werden, danach müssen die Supporter immer vor den Heroen den Checkpoint verlassen. Man hat Angst, dass die Jungs und Mädels sich von ihren Autos mitnehmen lassen. Am Ende scheren sich weder Supporter, Sportler noch Kampfrichter besonders um die Regularien und über illegale Tramper dringt nichts an meine Ohren.

Freitag, 16 Uhr. Die griechische Sonne brennt gnadenlos, überrascht hat uns das nicht. Der Spartathlon findet immer am letzten Wochenende im September statt. Da kann man in Griechenland davon ausgehen, dass es schweißtreibend wird. Nach 9 Stunden Dauerlauf ist Andy immer noch gut drauf. Wir machen blöde Witze und Fotos, Andy hat permanent sein Fläschchen dabei welches er an den Stationen auffüllt. Es gibt leider nur die übliche Verpflegung und kein Gyros oder Rezina. Die Standbetreuer sind sehr freundlich und machen uns Mut. Das Feld zieht sich im Nu auseinander und man verliert sofort den Überblick. Anfangs sind die Distanzen zwischen den Points recht groß, 10 oder 12 Kilometer, je weiter das Rennen voranschreitet umso engmaschiger werden sie.

Gegen 20 Uhr kommt uns die Sonne abhanden, worüber wir aber nicht böse sind. Dennoch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen wie wir die folgenden elf Stunden Dunkelheit überstehen sollen. Irgendwann fällt mir auf, dass die Nacht sternenklar ist und man eine wunderbare Sicht hat. Der gute Andy hat in dieser Zeit andere Sorgen, rechnet wie ich ihn kenne sicher hin und her, legt sich kleine Laufhäppchen zurecht, hat gute und weniger gute Phasen. Dann wird es langsam hell, das Thermometer im Auto zeigt kühle 7 Grad über Null, immerhin, und ich bin froh, dass Andy noch im Rennen ist. Meine Hoffnung ist, dass das Licht ihm neue Energie gibt die verbleibenden 80 Kilometer zu überstehen. Meine Hoffnung ist aber auch, dass die Sonne nicht so brutal heiß brennt wir am Tag zuvor und er aussteigt. Ich fühle mich müde und hilflos, da ich denke nicht allzu viel tun zu können in Sachen Support.

Samstag, zwölf Uhr. Andy ist ein Läufer der erst auf dem Zielstrich in Erwägung zieht, dass er es schaffen könnte. Demut war beim Spartathlon auch immer angebracht, aber jetzt, ca. 30 km vor dem Ziel kann ich die in mir aufsteigende Freude nicht mehr unterdrücken und glaube fest daran, dass er es schafft. Egal wie…  Dann geht es gegen 15 Uhr, die Kilometer schwinden. Ich fahre vor, in die City von Sparta und versuche einen guten Parkplatz nahe der Leonidas Statue zu finden. Dort wird das Ziel sein und es wird von hunderten von Läufern und Interessierten belagert. Ich kämpfe mich durch und kann bei einem anderen Läufer schon mal die Generalprobe erleben. Laute heroische Musik, tosender Beifall, ein erschöpfter und überglücklicher Läufer, die Ehrung bei olle Leonidas, kurz gesagt ein sehr würdiges Finish. Ich kann mich noch kurz hübsch machen, mir den Dreck aus dem Gesicht reiben und dann isses soweit: Andreas Papaandreu Neubert naht. Es ist vollbracht. Zweihundertsechsundvierzig Kilometer nonstop. Mit Trink- und Massagepausen, doch ohne ein Nickerchen. Mann oh Mann, schade, dass Du mir die Heldenverehrung untersagt hast! 
 

Ergebnisticker:

CHECKPOINT 22 "KORINTH" BEI KM 81 NACH 8:05:43h (PLATZ 59) ERREICHT! - 1. Zeitlimit geschafft!

CHECKPOINT 35 "NEMEA" BEI KM 124 NACH 14:00:52h (PLATZ 67) ERREICHT! - 2. Zeitlimit und die Hälfte der Gesamtstrecke geschafft!

CHECKPOINT 47 "LYRKIA" BEI KM 148 NACH 20:29:04h (PLATZ 78) ERREICHT! - 3. Zeitlimit geschafft!

CHECKPOINT 52 "NESTANI" BEI KM 172 NACH 22:33:37h (PLATZ 66) ERREICHT! - 4. Zeitlimit geschafft!

CHECKPOINT 60 "TEGEA" BEI KM 195 NACH 25:33:04h (PLATZ 56) ERREICHT! - 5. Zeitlimit geschafft!

CHECKPOINT 69 BEI KM 222 NACH 31:03:38h (PLATZ 61) ERREICHT!

 

Andreas hat es geschafft!!! Er erreichte als 56. das Ziel nach 246km in Sparta in einer Zeit von 33:31:42h!

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahnsinnsleistung!

 

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