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8 - Epilog

Ebene bei Marathonas, 01.10. 18.20 Uhr Ortszeit, ca. 74 h nach dem Rennen

Νενικήκαμεν ! – „Wir haben gesiegt !“

Und wieder ist ein erlebnisreicher Tag vergangen! Gestern Abend fuhren wir zum großen Abschlussempfang vor die Tore Athens. Unter freiem Himmel, inmitten einer weitläufigen Anlage war die feierliche Tafel angerichtet. In festlicher, oft landestypischer Abendgarderobe (die Japaner z.B. in Kimonos); bei aufgeräumter Stimmung und anregenden Getränken saßen alle Teilnehmer und ihre Betreuer beisammen. Zunächst wurden persönliche Eindrücke und manches Läuferlatein ausgetauscht, ehe jeder einzelne Finisher zur Entgegennahme seines Diploms nebst Medaille auf die Bühne gerufen wurde. Die meisten Nationen hatten Botschaftsangestellte vorbeigeschickt, die deutschen Spartathleten (als beste Nation) konnten von solch zumindest protokollarischer Wertschätzung nur träumen. Allerdings wird man als gewöhnlicher Spartathlet bisweilen unerwartet sehr positiv überrascht – doch dazu später.

Anschließend wurden die Kaloriendepots, wie schon in den vergangenen Tagen, kräftig weiter aufgefüllt – seltsam, was in solche schmächtigen Läuferkörper hineinpasst. Bei ausgelassenem Tanz wurden bestehende Freundschaften unter den Läufern weiter gefestigt oder es entstanden ganz neue Bekanntschaften. Zu später Stunde brachten die Busse uns dann zurück ins Hotel.

Heute Vormittag stand dann das Auschecken aus dem Teamhotel an. Ich zog für meine letzte Nacht noch einmal um. Alles dauerte nach dem ausgiebigen Feiern etwas länger. Gegen Mittag brach ich dann Richtung Innenstadt auf, zu einem Vorhaben, welches mir gestern die griechischen Götter – sehr wahrscheinlich auch nur Dionysos – eingeflüstert hatten. Vorher stattete ich der vom deutschen Team seit Jahren häufig frequentierten Eisdiele einen wiederholten Besuch ab – fünfzig Sorten Eis in Riesenportionsgröße warteten dort auf die Gäste. Als ich an der Kasse bezahlen wollte, saß dort eine schöne Hellenin und fragte mich (ob meines Aufzuges im Sportzeug), ob ich etwa den Spartathlon absolviert hätte. Ich antwortetet wahrheitsgemäß und erfuhr im Gegenzug, dass ihre Eltern in Sparta bei der Zeitmessung als Helfer fungiert hatten. So klein ist die Welt! Nachdem sie noch mehrmals nach dem Rennen gefragt hatte (ich schien ihr wohl nicht glaubwürdig), wies sie alle meine Versuche, die Zeche zu entrichten, wortreich und resolut zurück. Als Finisher sei ich selbstverständlich der Gast des Hauses – unglaublich, oder? So ein Eis und espresso doppio sind aber auch wesentlich angenehmer als ein offiziell-feuchter Händedruck…

Mit Tram und Bus (hinsichtlich Fahrzeit und Pünktlichkeit hatte ich mir schon etwas die lokale Gelassenheit angewöhnt) ging es heraus aus Athen. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, als sich ganz nachdrücklich meine Blase meldete. Aber zum Glück war das Ziel der kleinen Reise endlich erreicht.

Am Grabmal für die in der Schlacht gegen die Perser gefallenen Athener in der Ebene von Marathonas begann ich nun meinen Lauf zurück nach Athen – auf abgasgeschwängerten Asphaltstraßen wie fast ein Vierteljahrhundert zuvor. Ich wollte die Mission denkwürdig zu Ende bringen und nun auch noch die Siegesnachricht laufend nach Athen tragen. Durch den Start am Grabhügel konnte ich gegenüber der modernen Streckenlänge ca. 5 km sparen, war damit aber näher an der antiken Überlieferung dran, wenngleich der damalige Lauf wohl auf anderen Wegen über die Berge führte. Bis Kilometer 25 war ich recht beschwingt unterwegs, dann wurde es zäh – Kilometrierungen sah ich keine mehr, dagegen kämpfte ich mich neben dem fließenden Verkehr und bei inzwischen nächtlicher Dunkelheit in die griechische Hauptstadt, ziemlich unsicher, ob die einheimischen Autofahrer einen Verrückten verschonen würden.

Ein paar Checkpoints wählte ich an diversen Tankstellen, wo ich Flüssiges auffüllte. Es war am späten Abend, als ich am Panathinaikon anlangte – dem Olympiastadion von 1896 – und damit diesen letzten langen Lauf meiner Reise nach mehr als vier Stunden und einigen Gehpassagen (die Oberschenkel streikten nun doch allmählich) zu Ende brachte.

Mit der Tram ging’s zurück ins Hotel und – nach ausgiebigem Wannenbad – endlich ins Bett.

Damit möchte ich die läuferische Berichterstattung von hier beenden und verbleibe mit besten Grüßen

Euer Andreas

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