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18.08.2019 - 19. Paris-Brest-Paris - Die Vorgeschichte

Es ist der 28.01.2019 00:01 Uhr – Klaus und ich sind per Standleitung miteinander verbunden und wir versuchen uns Schritt für Schritt bei einem total überlasteten Server durch die Anmeldeseite des „Audax Club Parisien“ zu kämpfen. 00:15 Uhr dringen schließlich unsere Jubeltöne durch die Telefonleitung – wir haben es geschafft – wir sind vorregistriert für Paris – Brest – Paris – für den berühmtesten Fahrradmarathon der Welt! Die 19. Ausgabe von Paris-Brest-Paris startet am 18. August 2019 in Rambouillet. Mit mehr als 6.000 Teilnehmern werden wir versuchen, die 1.200 km lange Strecke innerhalb von 90 Stunden zu schaffen. Wir sind so aufgeregt als würde es schon morgen losgehen – ich bekomme diese Nacht kaum ein Auge zu! In Gedanken lasse ich die vergangenen Wochen und Monate noch einmal Revue passieren…..

2.1.2018 – Klaus und ich stimmen gerade unseren Trainingsplan für die Teilnahme am Velothon in Berlin ab – da schreibt er mir so ganz nebenbei, dass er im April gerne einen 200km Radmarathon fahren möchte. Meine Reaktion: „Warum das denn!?“ Als Antwort bekomme ich den Link für die ARA Deutschland Startseite. Auf diese war Klaus über die Feiertage gestolpert und hat sich – seine Worte – „ein bisschen verliebt“. Die Idee war nun, 2018 eine komplette Brevetserie zu fahren – also 200 – 300 – 400 und 600km am Stück radeln – als Krönung den Titel Super Randonneur 2018 absahnen und bei Gefallen „Paris – Brest – Paris“ in 2019 fahren. Ich dachte nur – verrückt! Anstatt es dabei zu belassen, fragte ich Klaus, ob er mich mitnehmen würde – die ersten 2 Brevets würde ich noch wagen – über alles andere müsse man dann nochmal reden. Damit stand auch schon unsere Verabredung und die Anmeldungen für den 14. und 28.04. wurden umgehend erledigt. In den nächsten Tagen begann ich erst einmal zu lesen und youtube zu durchforsten, was es mit dieser Randonneursbewegung auf sich hat.

Randonneure sind ganz einfach übersetzt Radwanderer. Die französische Wortwahl deutet den Ursprung an. Entstanden ist diese besondere Art des Radfahrens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als das Fahrrad Massenverkehrsmittel und für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. Zu der Zeit war es nicht unüblich, im Sommer mit dem Fahrrad von Paris zur Kanalküste, zum Atlantik oder in den Süden zu fahren. Zu dieser Zeit begann man in Frankreich, auch Radrennen über lange Distanzen auszurichten. Das älteste Radrennen ist nicht, wie häufig angenommen, die Tour de France, sondern Paris–Brest–Paris (ca. 1200 km). Heutzutage wird Paris-Brest-Paris alle vier Jahre – allerdings ohne den Charakter eines Rennens – ausgetragen. Und wir würden dabei sein!

Anfang März legte ich mir ein neues schnittiges knallrotes Rennrad zu, fuhr mit Klaus zur Einweihung des neues Rades 70km i.R. des Bitterfelder Kreises, dann noch ein paar Kilometer auf der Rolle – das sollte als Vorbereitung auf den 200er reichen. Mitten in der Nacht machten wir uns am 14.04. schließlich auf den Weg nach Bennewitz, wo das erste Abenteuer starten sollte. Viel zu früh erreichten wir den noch leeren Parkplatz – genug Zeit in der zur Verfügung stehenden Turnhalle ausgiebig zu frühstücken. Dann hieß es nur noch Räder mit ausreichend Verpflegung bestücken, Regenjacke und Warnweste einpacken, Navi starten und los gings. 8:30 Uhr setzten sich die 70 – 80 Randnonneure in 3 Wellen in Bewegung. Bei besten Bedingungen radelten wir gemütlich los – unsere Gruppe riss ziemlich schnell auseinander – wir unternahmen aber erst gar nicht den Versuch an irgendjemandem dranzubleiben – wir hatten schließlich keine Ahnung, was uns erwarten würde. Laut Track wartete eine gehörige Portion Höhenmeter auf uns – nach der Hälfte der Strecke würde es dann aber nur noch bergab gehen. Die ersten 2 Kontrollstellen waren ziemlich abenteuerlich – diese waren nämlich einfach nur jeweils eine kleine Lochzange - versteckt am Wegesrand. Zum Glück waren diese Kontrollstellen noch auf dem ersten Drittel der Strecke, so dass uns immer schon eine kleine Menschentraube verriet, dass es Zeit wurde wieder ein Kästchen auf unserem Kontrollkärtchen abzuhaken. Und dann kamen die Höhenmeter! Bis km 65 quälte ich mich gegen den Wind die langen und stetigen Steigungen bis zur Burg Kriebstein hoch – zig Randonneure kamen uns schon wieder entgegen – meine Motivation war im Keller. Als wir dann endlich oben angekommen und uns unseren hart erkämpften 3. Stempel abgeholt hatten, meinte Klaus, dass wir total hinten dran wären und die ganze Sache lieber abbrechen sollten. Daraufhin entbrannte ein kurzer – und ich glaube bis dato auch der einzige – „Ehekrach“ zwischen uns. Einen Energieriegel später saßen wir wieder auf unseren Rädern und weiter ging´s. Abbrechen?! Nach 65km?! Das kam überhaupt nicht in Frage! Ab jetzt wurde die Strecke einfacher – der Track hielt also sein Versprechen. Nach der Hälfte der Strecke gönnten wir uns eine etwas längere Mittagspause, bei der wir dann auch auf ein paar junge Männer trafen, die auch zum ersten Mal dabei waren und den Plan verfolgten, im nächsten Jahr in Paris dabei zu sein. So ergab es sich, dass wir den 2. Teil gemeinsam fuhren, was die ganze Sache natürlich auch kurzweiliger werden ließ. Und so radelten, verfuhren, radelten, pausierten, radelten und radelten wir gemeinsam – und nachdem es am Ende nochmal richtig zäh wurde, erreichten wir ebenfalls gemeinsam nach 11:48h das Ziel. So fühlten sich also 200 – nein 208 km an! Unsere Einschätzung? Na das war doch eine nette Runde – und es ist einfach nur ein geniales Gefühl, es geschafft zu haben. Aber würde das für nochmal 100km und 1000 Höhenmeter mehr reichen? Nur wenige Tage später waren wir uns nicht sicher – aber doch einig, dass wir den 300er gemeinsam versuchen wollten. Und so kam es, dass wir bereits am 28.04. schon wieder die Räder ins Auto packten und uns auf den Weg nach Bennewitz machten. Die Woche vorher hatten wir uns wieder und wieder den Track angeschaut und philosophierten auch jetzt noch einmal auf der Autofahrt über die insgesamt 3500 Höhenmeter – 3200 davon bereits auf den ersten 200km. Das würde ein ordentliches Stück Arbeit bis Meißen bedeuten. Aber dann würden wir den Rest lt. GPS – Daten „nur“ noch durchs Elbtal rollen. Pünktlich erreichten wir wieder die uns bereits bekannte Turnhalle, trafen auch schon auf ein paar vertraute Gesichter vom 200er und stärkten uns nach bewährter Art und Weise mit Kaffee und Kuchen. Bei besten Wetterbedingungen ging es schließlich los. Stück für Stück arbeiteten wir uns durch den GPS – Track – wir nahmen einen Hügel nach dem anderen unter die Räder – nutzten den Schwung aus den Abfahrten gleich für die nächsten Steigungen – rundum es lief! Sehr zufrieden erreichten wir zum Abend Meißen und legten eine ausgiebige Pause ein. Nochmal richtig auftanken und sowohl Räder als auch uns auf die einbrechende Dunkelheit vorbereiten. Die Fahrt in und durch die Nacht war für uns Premiere. Inzwischen hatte sich uns auch ein weiterer Randonneur angeschlossen und so starteten wir zu dritt der untergehenden Sonne entgegen ins Elbtal. Trotz flacher Strecke verloren wir etwas an Geschwindigkeit – die letzten 200km, die langsam aufkommende Müdigkeit und die Dunkelheit waren jetzt doch spürbar. Ein plötzlich am Straßenrand auftauchendes Wildschwein und der gellende Aufschrei von Klaus trieb den Puls zwischendurch einmal ordentlich in die Höhe – spätestens ab diesem Moment waren wir jedenfalls wieder hellwach. Und so erarbeiteten wir uns Kilometer für Kilometer und erreichten müde aber glücklich die Turnhalle in Bennewitz und konnten auf unseren Zielzeitfotos sogar noch etwas lächeln…..der 300er war im Kasten!

Bereits 2 Tage nach unserem erfolgreichen Brevet schickte mir Klaus seine bestätigte Anmeldung für einen 600er in Hamburg. Neben dem bereits gebuchten 600er im Juni in Ostfalen, sollte dieser Brevet nun einen 400er ersetzen, den Klaus wegen Terminüberschneidungen nicht fahren konnte. Im Ergebnis wollte er unbedingt einmal die volle Serie fahren, um den Titel Superrandonneur 2018 erhalten zu können. Ich gebe zu, es begann ordentlich in meinem Kopf zu rattern, ob ich es nicht vielleicht doch noch ein Stückchen weiter schaffen würde. Erst einmal planten wir jedoch unsere Teilnahme am Velothon in Berlin – diesmal sollten es die 100km werden – und eine Brockentour Ende Mai in Eigenregie obendrauf.

Und mitten in diesen ganzen Planungen stieß ich auf einen schönen flachen 400er in den Niederlanden – einmal rings ums Ijsselmeer. Warum wollte sich Klaus eigentlich 2x mit der langen Strecke plagen, wenn es möglicherweise auch einfacher ging!? Bei mir war jedenfalls das Feuer entfacht – und es brauchte nicht wirklich viel Überredungskunst und auch Klaus war infiziert. Und so saßen wir am Abend vor dem Velothon gemütlich beim Italiener und statt uns über das bevorstehende Rennen in der Hauptstadt Gedanken zu machen, meldeten wir uns bei den Niederländern an und suchten schon mal nach einer passenden Bahnverbindung. 400km am Stück mit dem Fahrrad – und die Idee kam von mir – wie verrückt ist das denn!? Bis dahin schrubbten wir allerdings erst einmal noch ordentlich Trainingskilometer – erklommen tatsächlich erfolgreich den Brocken und fühlten uns somit gut vorbereitet, als wir am 09.06. in den Zug nach Amsterdam stiegen. Vollkommen entspannt und ausgeruht erreichten wir 7 ½ Stunden später die Hauptstadt der Niederlande. In wenigen Stunden (20 Uhr) würden wir von hier aus auf die große Runde starten – diesmal also ausgeruht in und durch die Nacht – wieder eine vollkommen neue Erfahrung für uns. Bevor es jedoch losging, mussten wir uns und unser Gepäck für die große Ausfahrt vorbereiten. Das bedeutete umziehen auf der Bahnhofstoilette und Gepäck ein – und umpacken in der riesigen Schließfachhalle. Alles was wir unterwegs nicht benötigten, landete in einem der Schließfächer und schon konnte es losgehen. Der Treff – und Startpunkt – ein kleines Cafè – war schnell gefunden und während wir uns zur letzten Stärkung eine Pizza schmecken ließen, trafen nach und nach auch die anderen Teilnehmer/innen ein. Nach einer kurzen Einweisung gab es ganz unspektakulär den Startschuss und wir setzen uns alle gleichzeitig – aber ganz entspannt in Bewegung. Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, erreichten wir ziemlich schnell das Ijsselmeer und brausten in einer etwas größeren Gruppe durch die wunderschöne Deichlandschaft. Der Vorteil der Gruppe war natürlich, dass wir uns durch regelmäßige Wechsel immer schön Windschatten geben konnten – der Nachteil (jedenfalls für mich) war das ungewohnt hohe Tempo. Das würde ich nicht 400km durchhalten können. Aber Klaus und ich waren uns einig – so lange es irgendwie ging – wollten wir die Vorteile der Gruppe ausnutzen. In der Nacht ging die Fahrt schließlich auf dem Deich weiter – man hörte nur das Rauschen des Ijsselmeeres und ab und zu einen Forsch quaken – Natur pur also. In den ganz frühen Morgenstunden erreichten wir schließlich den Abschlussdeich. Der Abschlussdeich ist genau genommen kein Deich, sondern ein Damm, da Deiche ein Hinterland haben, das durch den Deich geschützt wird. Er verbindet die niederländischen Provinzen Noord-Holland und Fryslân. Auf dem Abschlussdeich pausierten wir noch einmal etwas länger im Windschutz eines kleinen Häuschens. Einige von uns nutzen die Gelegenheit für ein kurzes Nickerchen an der Hauswand – andere nahmen einfach auf der Leitplanke Platz und genehmigten sich ein paar Minuten „Schlaf“. Entsprechend gestärkt ging es nun den Abschlussdeich 32km schnurgeradeaus. Drüben „auf der anderen Seite“ begann es schon zu dämmern – der neue Tag brach an – gut fürs Gemüt – wichtig zum Weiterfahren. Und so radelten wir durch die langsam erwachende Deichlandschaft – unterwegs begegneten uns lediglich müde dreinblickende Schafe und die größte Herausforderung war es unbeschadet durch die zahlreichen Viehsperren zu kommen. Um 6 Uhr war unser Kaffeeverlangen dann so groß, dass wir in einem gemütlichen Örtchen an einem Hotel anhielten, bei dem bereits alle Türen weit offenstanden. Jan – selbst Holländer und erfahrener Organisator von Brevets – ließ all seinen Charme bei den Damen spielen, die gerade das Frühstückbuffet für die Hotelgäste vorbereiteten – und schon saßen wir alle Mann in dem warmen Frühstücksraum und labten uns an frischem Kaffee und Apfelstrudel mit Sahne. Was für ein Fest! Die Kombination aus Kuchen, Wärme, Gemütlichkeit und Müdigkeit führte natürlich dazu, dass einige von uns am Tisch sitzend einnickten – Powernapping vom feinsten. Aber irgendwann musste auch diese Pause beendet werden – wir hatten doch noch einiges an Kilometern vor uns. Ich kam nur schwer in Gang und konnte das Tempo der Gruppe nicht mehr mitgehen – deshalb beschlossen wir einige Zeit später uns vorerst „zu trennen“. Ein Fahrer schloss sich uns an, so dass es von nun an zu dritt weiterging. Inzwischen schien die Sonne und es wurde richtig schön warm und so spulten wir km um km durch wunderschönes plattes Land ab und überschritten fast unbemerkt die 300km – Marke. Nach einer letzten ausgiebigen Stärkung trafen wir auch wieder auf unsere Mitstreiter vom ersten Teilstück und beschlossen, gemeinsam bis ins Ziel zu fahren. Endlich erreichten wir Amsterdam – aber es sollte noch weitere 2 Stunden dauern, bis wir unsere Räder vor dem kleinen Cafè, an dem wir einen Abend vorher gestartet waren, endgültig abstellen konnten. 400km in 24h – einfach nur Wahnsinn! So richtig realisiert haben wir das Ganze als wir eine halbe Stunde später beim Italiener schlemmten und die Tour noch einmal Revue passieren lassen haben. Deutlich zu spüren waren die 400km dann auch, als wir uns nochmals auf die Räder schwingen mussten, um zum Bahnhof und anschließend ins Motel zu fahren – AUA – trifft es da glaub ich ganz gut. Aber was waren schon ein paar Schmerzen gegen dieses unglaubliche Erlebnis!

Tja – und dann war da noch der 600er. Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wie, wann und warum ich mich für das Ostfalen – Brevet angemeldet habe. Aber wahrscheinlich stellte sich die „ob“ Frage gar nicht mehr – wir hatten es schließlich bis hier gemeinsam geschafft – jetzt würden wir die Serie auch gemeinsam vollenden. Und so kam es, dass Klaus und ich uns am 22.06.2019 auf den Weg Richtung Helmstedt machten. Ganz in der Nähe befindet sich das kleine Örtchen Warberg, wo sich Start und Ziel am Einfamilienhaus von Hartmut – dem Organisator der Ostfalen – Brevets und selbst Teilnehmer mit seinem Velomobil - befand. Wir übernachteten unweit von Warberg auf dem Zeltplatz, sodass wir Gelegenheit für ein ausgiebiges Abendessen und genügend Schlaf hatten, bevor es am nächsten Morgen um 8:30 Uhr bei Hartmut losgehen würde. 23.06.2019 – der Himmel ist grau – es nieselt ganz leicht – wir sind total aufgeregt – 600km liegen vor uns – eigentlich kaum vorstellbar, eine solche Distanz am Stück zu fahren! Gemütlich rollen wir mit 3 weiteren Randonneuren nach Warberg. Während wir im Vorgarten von Hartmut frühstücken, regnet es sich so richtig schön ein. Das erste Mal packen wir also unsere Regensachen aus und machen uns so gut wie es irgendwie geht wetterfest. Laut Wetterbericht würde es im Laufe des Vormittags auch wieder trocken werden – demnach kein Grund für schlechte Laune. Nach einer kurzen Einweisung starteten wir pünktlich und in 3 Gruppen. Es lief vom Start weg hin richtig gut – es hörte tatsächlich auf zu regnen und wir wurden regelrecht euphorisch und schmiedeten schon die wildesten Pläne, wie wir bei Sonnenuntergang in Kühlungsborn in die Ostsee springen würden. Problemlos erreichten wir auf diese Art und Weise unsere erste Stempelstelle in Arendsee. Nach einer Stärkung mit BoWu und Energydrink mussten wir leider doch wieder die Regensachen überziehen – und schon ging es weiter immer gen Norden. Problemlos erreichten wir die Stempelstelle in Neustadt Glewe. Und noch während wir genüsslich unseren Kaffee schlürften, ging draußen die Welt unter – Platzregen vom feinsten! Die Tankstelle füllte sich mit Randonneuren – wir wollten alle den Regen abwarten – mussten nach einer Stunde jedoch feststellen, dass es nicht besser werden würde. Also rein in die Regensachen und ab durch den strömenden Regen, der uns von nun an bis zum Ende unserer Tour - abgesehen von kurzen Pausen – begleiten würde. Die Kälte und Nässe schlugen ordentlich aufs Gemüt – meine Motivation rutschte immer mehr in den Keller. Klaus hatte alle Tankstellen auf der Strecke notiert – mit dem Gedanken an ein schönes Heißgetränk hangelten wir uns von einer zur anderen. Die nächste Gelegenheit sollte sich in Schwerin ergeben. Aber weit gefehlt! Wir hatten inzwischen so viel Zeit verloren und waren spät dran – beide avisierten Tankstellen hatten deshalb bereits geschlossen – nichts mit 24h geöffnet! Somit machten wir bei Nieselregen Rast am Straßenrand, spülten mit kalten Wasser einen Müsliriegel runter und ich hörte mich sagen „Klaus – ich schaff das glaub ich nicht- die Nummer ist heute zu groß für mich.“ Seine Reaktion war lediglich der Hinweis, dass wir dann mal zum Bahnhof fahren sollten und uns auf eine Zugverbindung mit mehreren Umstiegen am nächsten Morgen einstellen müssten. Das würde eine „Übernachtung“ auf dem Bahnhof bedeuten – und das bei zunehmender Kälte und so nass wie wir waren. Diese gruselige Vorstellung ließ mich dann doch wieder aufs Fahrrad steigen – ein Stück würde es schon noch gehen. Die nächsten Kilometer war ich gedanklich eigentlich nur noch damit beschäftigt, wo sich auf unserer Strecke ein günstiger Bahnhof befinden und wie ich auf diesem die Nacht überstehen könnte. Es regnete mal mehr mal weniger – teilweise gepaart mit unangenehmen Wind – und schließlich wurde es auch noch dunkel. Irgendwann um Mitternacht erreichten wir auf diese Art und Weise tatsächlich Kühlungsborn – die Hälfe der Strecke war somit geschafft! Natürlich gab es an der Stempeltankstelle nur nen Nachtschalter – also wieder nichts mit aufwärmen. So suchte ich mir mit meinem Heißgetränk eine einigermaßen windgeschützte Stelle und döste ein paar Minuten vor mich hin. Wie weggeblasen waren allerdings die Gedanken ans Aufhören – schließlich waren wir ab sofort auf dem Rückweg nach Hause. Irgendwann war dann auch diese Pause zu Ende und wir fuhren zitternd in die kalte und nasse Nacht hinaus. Wenig später schloss sich uns ein weiterer Teilnehmer an, den wir bereits auf dem Zeltplatz getroffen hatten und wir beschlossen, das Brevet gemeinsam abzuschließen. Am schlimmsten war weiterhin das Wetter. Es regnete ohne Unterlass und in Strömen – für die nächste Pause benötigten wir also dringend ein Haltestellenhäuschen oder etwas Ähnliches. Dies stellte sich jedoch als schier unmögliches Unterfangen heraus – alle Bushaltestellen die wir passierten waren „besetzt“ mit schlafenden Randonneuren. Einfach weiterfahren war die einzige Option. Endlich wurde es wenigstens hell – der Regen ließ auch mal nach und wir radelten durch die erwachende und dampfende Natur. Es war Sonntag früh – also menschenleer – nur wir – Vogelgezwitscher – Rehe – Hasen und allerlei anderes Getier. Nächste Stempelstelle – Parchim. Die Tankstelle hatte zum Glück schon geöffnet – wir konnten uns also mal etwas entblättern und im trockenen und warmen frühstücken. Mit neuer Energie und ohne Regen machten wir uns anschließend auf den Weg nach Havelberg – hier hatten wir vor eine kleine Schlafpause einzulegen. In Bad Wilsnack lockte dann jedoch eine gemütliche Bank in der Sonne und wir saugten die glaube ich einzigen Sonnenstrahlen auf dieser Tour beim kurzen Powernapping in uns auf. Die Wirkung danach war unglaublich – an schlafen in Havelberg war nicht zu denken – wir bekamen kein Auge zu. Auch gut – ein paar Kilometerchen lagen ja auch noch vor uns. Ab Havelberg waren wir dann auch zu viert unterwegs und konnten uns gut in Bezug auf Windschattenfahren und gegenseitige Motivation unterstützen. Die verbleibende Strecke teilten wir uns dann auch nur noch in ganz kleine Häppchen ein. Für den Kopf war es viel leichter immer die nächsten 20km anstatt noch 150km zu bewältigen. Ungefähr jede Stunde gab es somit einen kurzen Stopp zum Aufrichten, Dehnen und Kniebeuge machen. Die „Berge“ vor Wolmirstedt bewältigten wir auf diese Art und Weise mit Bravour und wir freuten uns über unseren wohlverdienten vorletzten Stempel. Das Ziel war in greifbare Nähe gerückt. Bis dahin gab es noch einmal strömenden Regen, einbrechende Dunkelheit und ein paar fiese Rampen – alles egal! Lautes Fluchen und vor sich hinmeckern half da durchaus und nach unglaublichen 39 Stunden rollten wir schließlich auf den Hof von Hartmut. Es war vollbracht – 628km am Stück – wenn mir das einer vorher erzählt hätte…..

Tja und nun!? Wir waren doch tatsächlich die gesamte Brevetserie gefahren und somit Superrandonneure 2018. Als Belohnung gab es am Ende des Jahres eine schicke Medaille, die ich voller Stolz noch immer in meinem Portmonee mit mir herumtrage. Ganz beiläufig erwähnte Klaus dann noch, dass wir uns somit im Januar für einen Startplatz bei Paris – Brest – Paris vorregistrieren lassen konnten. Dann müssten wir die Brevetserie in 2019 einfach noch einmal fahren und schon würde die Vorregistrierung in einen festen Startplatz umgewandelt werden. Meine Reaktion? Na dann machen wir das doch einfach!

Das Ergebnis von alledem sollte inzwischen hinreichend bekannt sein – denn wir fahren nach Frankreich! Viele tausend Trainingskilometer stecken in unseren Beinen. Wir haben erneut alle Brevets erfolgreich und mit deutlichen Zeitverbesserungen absolviert. Wir haben Schlafpausen, Esspausen, Verpflegung, Technik, Klamotten, Gepäck usw. getestet und optimiert – Klaus und ich verstehen uns inzwischen blind und sind ein absolut eingespieltes Team. Klaus hat auf Grundlage unserer bisherigen Ergebnisse und der vorgegebenen Zeitfenster an den Kontrollstellen einen super Zeitplan für uns ausgetüftelt – das Abenteuer kann also beginnen!

Wir starten am 18.08.2019 um 18:45 Uhr - wer Lust hat uns in Gedanken zu begleiten, kann uns jederzeit hier tracken: https://track.rtrt.me/e/PBP-2019#/tracker

Und Daumen drücken ist natürlich auch erlaubt…..

Text: Sabine Hanke/ Foto: Hanke/Bentele