Tag 21 – 11.05.2026 - Das war es erst einmal – Die Reise ist vorläufig abgebrochen
Doch mal ganz von vorn der Reihe nach. Vom Chor in der Jugendherberge in Burg Stargard bekam ich am Samstagabend nichts zu hören. Deren Probenraum muss sehr abgelegen im Haus und gut geräuschgeschützt gewesen sein. Am Sonntag nach dem Mittagessen reiste der Chor dann ab. Und zum Abschied gaben sie den Mitarbeitern der Herberge ein Ständchen draußen vor der Tür auf einer großen Treppe. Da bin ich dann ebenfalls mit hin und habe es mir angehört. Ganz toll, wenn ca. 50 bis 70 Menschen in einem Chor einen Kanon mit mindestens drei verschiedenen Stimmen singen. Besser konnte es mein schlecht ausgebildetes musikalisches Gehör nicht identifizieren.
Nachdem alle abgereist waren, war ich von Sonntag zu Montag der einzige Gast im Haus. Und nachdem die Mitarbeiterin um 20 Uhr Feierabend hatte, war ich bis Montagfrüh 7 Uhr der einzige Mensch im ganzen Haus.
Für Montag waren dann wieder viele Schauer, mal kürzere mal längere Regenzeiten angesagt. Ich schaute genau auf das Regenradar und legte mir einen Plan zurecht, wie ich in den Regenlücken einzelne Abschnitte des Tages trocken zurücklegen kann. Insgesamt funktionierte das auch hervorragend. Bis auf ein paar wenige Tropfen bin ich gut verschont geblieben.
Gegen 10 Uhr fuhr ich los und passierte nach 3 min. den Marktplatz. Dort befindet sich momentan eine Baustelle und der Verkehr fließt ein wenig schwierig darum herum. In einigem Abstand (etwa 15 m) vor mir fuhr ein Transporter. Dieser hielt an, um einem entgegenkommenden Bus die Fahrt um die Kurve zu ermöglichen. Ich stand dann genau hinter dem Transporter. Der Fahrer des Transporters entschloss sich nun, um dem Bus mehr Platz zu geben, 2 bis 3 m zurückzusetzen. Wenige Augenblicke später hatte er mich dann umgestoßen und ich lag auf der Straße. Gelandet war ich auf meiner rechten Körperseite und hatte mich mit dem Ellenbogen abgefangen. Nun war erst einmal großer Auflauf. Viele Menschen (von der Baustelle und aus den Marktgeschäften) kamen, um mir zu helfen, riefen auch gleich die Rettung und die Polizei. Ich fühlte mich körperlich in Ordnung und außer ein paar kleinen Schmerzen im rechten Ellenbogen merkte ich nichts. Ich wurde gründlich untersucht, meine Bewegungsfunktionen im rechten Arm waren alle schmerzfrei auszuführen. Das ist auch heute noch so, Drehen des ausgestreckten Armes, Beugen im Ellenbogen, Anheben von Gegenständen.
Nach rund einer Stunde war dann alles wieder geordnet und ich entschloss mich, weiter zu radeln. Mein Rad hatten die Helfer von der Straße aufgehoben und in einem Fahrradständer abgestellt und meinten, es rolle alles normal. Dem war nicht ganz so. Der rechte Bremsgriff war komplett verbogen, der linke leicht. Und das Vorderrad hatte einen ganz leichten Schmiss. Ich fuhr trotzdem erst einmal nach Neubrandenburg, also in eine größere Stadt. Dort fand ich schnell ein großes Radgeschäft mit Reparaturwerkstatt. Innerhalb von einer Stunde war mein Rad vollständig repariert, die Bremsgriffe erneuert, die Bremsen neu eingestellt, beide Räder neu justiert, eingestellt und alle Speichen nachgezogen, zentriert. Auch der Luftdruck wurde überprüft und eingestellt. Die Rechnung für die gesamte Reparatur in Höhe von 230 € hatte innerhalb von 10 min. meine Reparaturversicherung für das Rad bezahlt, wo ich einen jährlichen Beitrag von 100 € zahle. Bevor ich mir das gesamte Prozedere mit der Haftpflicht des Verursachers aufbürde, war mir das so viel unkomplizierter.
In der nächsten größeren Regenpause bin ich dann zu meinem Tagesziel nach Waren (Müritz) aufgebrochen. Um das Ziel während der trockenen Phase zu erreichen, habe ich mächtig in die Pedalen getreten. Ich kann auch sagen, ich bin gerast. Dabei habe ich vollen Einsatz gezeigt und getrampelt, was das Zeug hält auch die kleinen Wellen nach oben. Und fast hätte ich es geschafft. Zwei Minuten vor meiner Ankunft fing es wieder an regnen, was mich aber nicht mehr störte. Fotos gibt es heute wegen der Regenwetterlage keine, aber es gab auch nichts zu fotografieren. An der Jugendherberge angekommen, stieg ich vom Rad und konnte plötzlich kaum noch stehen. Hatte ich die letzten Tage schon arge Probleme mit meinem rechten Knie, war es jetzt ganz vorbei. Das Knie ist vollständig entzündet. Die Schmerzen kommen aus der Kniekehle und strahlen ins gesamte Knie. Das hat nichts mit dem Sturz zu tun, sondern kommt von der extremen Überbelastung.
Ich kann kaum stehen und laufen, das Knie kann ich nur unter Schmerzen beugen. Ich habe die ganze Nacht vor Schmerzen nicht schlafen können. Heute Früh ist alles nur ein ganz klein wenig besser. Das Knie benötigt jetzt sicherlich 10 bis 14 Tage komplette Ruhe. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, die Reise an dieser Stelle abzubrechen. Selbstsadistische Folter unter Schmerzen macht mir keinen Spaß. Ich habe immer gesagt, wenn es keinen Spaß mehr macht, breche ich ab. Morgen werde ich hier abgeholt und bin dann wieder zu Hause. Wie ich mit der Situation umgehe, wie ich weiter verfahren werde, habe ich dann genügend Zeit darüber nachzudenken. Jetzt braucht mein Knie erst einmal gründliche Erholung.
Ich bin trotzdem froh, über alles, was ich erlebt habe. Immerhin war ich drei Wochen am Stück unterwegs, habe vier Gipfel erklommen. Auf dreien davon war ich vorher noch nie. Gelernt habe ich auch, dass ich zwar Radtouren unternehmen kann, aber nicht über so lange Zeiträume, so große Entfernungen und so dauerhafte Belastungen. Außerdem hatte ich viel zu viel Gepäck dabei, was auch noch viel zu schwer war. Aber auf einige Dinge kann ich eben nicht verzichten, wie den Ersatz-Akku und verschiedene medizinisch notwendige Utensilien. Und auf den Laptop wollte ich nicht verzichten.
Mal sehen, vielleicht besuche ich die übrigen Gipfel irgendwann einmal mit dem Auto, wer weiß. Vielleicht habe ich wieder mal eine verrückte Idee. Eine lange Radtour wird es nicht sein.
Ich möchte auf jeden Fall allen, die mir die Daumen gedrückt haben, die mir Grüße gesendet haben, die mich bestärkt und motiviert haben, die sich für meine Reise interessiert haben, von ganzem Herzen DANKE sagen.
LuSche


