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Tag 23 - 09.06.2026 - „Alle“ unterwegs zum nördlichsten Punkt Deutschlands

Wiederum Früh sehr zeitig machte ich mich auf den Weg. Mit dem Zug um 08:41 Uhr ging es für mich von Klanxbüll aus los nach Sylt. Ich habe extra einen zeitigen Zug genommen. Laut Internetseite der Bahn war dieser „mit geringer Auslastung“ prognostiziert. Die Züge fahren alle 30 min. und alle Züge nach 10 Uhr hatten „hohe Auslastung erwartet“. Noch dazu gibt es bei 8 Waggons nur einen mit Stellplätzen für Fahrräder. Da passen maximal 10 Stück hin. Und wenn die besetzt sind, hat man Pech und muss auf den nächsten Zug warten. Mir erschließt sich nicht, warum es nicht mehr Waggons mit Fahrradstellplätzen gibt. Die Bahn halt. Und in anderen Waggons dürfen keine Räder mitgenommen/platziert werden.

Im Zug waren wir mit Rädern genau vier Personen und kamen sehr schnell ins Gespräch. Meiner Schätzung nach befinden wir uns alle etwa in einem Alter, ein einzelner Mann mit gutem Geländebike war wohl so drei Jahre älter als ich und ein Pärchen mit KTM-Pedelecs, genau wie ich, ist wohl so drei Jahre jünger als ich. Der einzelne Mann interessierte sich sehr für Technik, Akkus, Gewicht, Preise und alles rund um unsere Räder. Später auf Sylt, traf ich ihn unterwegs immer wieder mal und weiß auch genau, warum sein Interesse so groß war. Er macht äußerlich einen sehr sportlichen Anschein, hat diese Zeit aber doch wohl schon einiges hinter sich.

Angekommen in Westerland rollte ich gemütlich los in Richtung Norden. Hier führt ein separater Radweg wunderschön durch die Dünenlandschaft Richtung Ellenbogen. Auf der ganzen Insel, überall am Wegesrand und in den Dünen war alles stark bewachsen mit blühenden Dünenrosen. Ein toller Anblick. Nach etwa einem Drittel der Strecke sah ich auf einer Düne ein Geländer. Kurz danach kam ein Wegweiser zur „Uwedüne“. Diesen kleinen Abstecher gönnte ich mir und wurde mit einem spektakulärem Rundblick über die gesamte Insel belohnt. Ist sie doch mit ihren 52,5 m die höchste natürliche Erhebung Sylts. Das Martyrium der 119 nach oben und auch wieder hinab führenden Stufen nahm ich schmerzhaft in Kauf. Meine armen Kniee.

 

Um so weiter ich Richtung nördlichstem Punkt Deutschlands unterwegs war, um so mehr wurden die Radler, die Wanderer und die Autos auf der daneben liegenden Straße immer mehr. Später auf dem Rückweg am zeitigen Nachmittag glich das schon fast einer kleinen Völkerwanderung. Der Radweg war auf der ersten Hälfte sehr schön ausgebaut, glatt asphaltiert und superschön. Auf der zweiten Hälfte ging es dann auf einer Plattenstraße gemeinsam mit den Autos weiter. Diese Straße hat ihre besten Zeiten schon sehr lange hinter sich. Unterwegs sah ich insgesamt vier Leuchttürme, wobei ich nur im nördlichen Teil der Insel unterwegs war.

Kurz vor dem Ziel des nördlichsten Punktes ging es dann in Richtung Strand und es gab nur noch einen tiefen Sandweg. Hier hieß es Absteigen, Fahrrad anschließen, Gepäcktasche in die Hand nehmen und losmarschieren. Mein Navi zeigte an, noch 210 m. Bis direkt an den Strand waren es dann ca. 350 m und von dort aus nochmal ca. 400 m den Strand entlang Richtung Osten. Und das alles durch tiefen lockeren Sand. Da ich aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nur einmal hierherkommen würde, nahm ich die Strapazen auf mich. Endlich am nördlichsten Punkt Deutschlands angekommen, war ich physisch komplett am Ende und wusste, ich muss wieder zurück zum Fahrrad. Auf dem Rückweg habe ich auf die Uhr geschaut. Ich habe ohne Pausen für die ca. 750 m genau 25 min. benötigt, was einer Kilometerzeit von mehr als 33 min. entspricht. Viele andere Menschen, denen ich dort begegnet bin, haben den Weg „verweigert“.

Endlich wieder auf dem Rad sitzend, trat ich den Rückweg an. Ich wollte auf jeden Fall noch nach List fahren, um dort die Gaststätte „Gosch“ aufzusuchen. Diese ist mir mal persönlich empfohlen wurden als „bestes“ Fischrestaurant und ich habe im Fernsehen auch schon Beiträge und Dokumentationen über sie gesehen. Dort angekommen fand ich die Lokalität geschlossen vor – sie wird nicht mehr betrieben. Das war eine echte Enttäuschung. So musste ich meinen Magen mit meiner mitgeführten Eigenverpflegung beköstigen. Und dann ging es bei starkem Gegenwind zurück zum Bahnhof nach Westerland. Teilweise musste ich gegen den Wind ganz schön kämpfen und in die Pedale treten. Jetzt schmerzt mein rechtes Knie wieder sehr heftig, was zusammen genommen an den 119 Stufen Düne, den 1,5 km Sandlatschen und dem Radeln gegen den Wind liegt. Unterwegs begegnete mir noch ein Oldtimer-Bus, den man mieten und sich über die Insel kutschieren lassen kann.

Am Ende des Tages standen 53,1 km in 3:01 h auf dem Tacho.

So hoffe ich morgen noch den Hasselbrack in Hamburg erreichen zu können und den Friedehorstpark in Bremen. Bei Bremen mache ich mir keine Sorgen, nur der Hasselbrack liegt in einem Waldstück, wo ich die letzten ca. 5 km mit dem Rad zurücklegen möchte. Es wird schon werden. Damit wird dann meine Nord Tour ihr Ende finden und ich mit dem Auto wieder nach Hause reisen. In zwei Wochen möchte ich dann zu meiner West/Südwest Tour aufbrechen.

LuSche