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Tag 24 - 10.06.2026 - Zwei kleine Gipfel

Zum Anfang des Tages galt es für mich erst einmal einige Kilometer im Auto Richtung Hamburg zurückzulegen. Unterwegs kam in mehreren Abschnitten ganz schön Wasser vom Himmel. Immer wieder setzten heftige Schauer die Straße unter Wasser. Teilweise musste ich die Geschwindigkeit deutlich reduzieren, damit das Auto nicht aufschwimmt. Im Laufe des Tages hatte ich das große Glück, dass ich jedes mal wenn ich das Auto zur „Erklimmung“ eines Gipfels verließ, ich komplett trocken von oben davonkam.

Am späten Vormittag erreichte ich die Ortslage Tempelberg. Dies ist eine sehr kleine Ortschaft in Niedersachsen, direkt an der Grenze zu Hamburg. Schon ein kleines Stück vor den ersten Häusern ist der Ort laut Beschilderung für nicht Ortsansässige mit dem Auto gesperrt. Laut Navi sollten es bis zum Gipfel des Hasselbrack noch ca. 3 km sein. Ich lud mein Rad vom Heckträger ab und stellte die Fahrtauglichkeit her – Akku einsetzen, Computer einklicken, Handyhalterung einsetzen, mich selbst mit Kamera ausstatten, Helm aufsetzen und Fahrrad–Handschuhe überstreifen.

Und los gings. Nach ca. 1 km bog der Weg ab und führte in den Wald hinein. Der Weg wurde ganz langsam immer schmaler, wurde leicht grasbewachsen, Wurzeln traten stärker an die Oberfläche und durch den Regen des Tagesbeginns wurden die Wege immer weicher, matschiger, schlammiger. Und dann kam, was bei diesen „kleinen“ Gipfeln kommen musste. Kurz vor dem Ziel ging es auf einem ganz schmalen Trampelpfad über Wurzeln, Schlamm und Matsch senkrecht berghoch. Ich musste ca. 70 bis 80 m schieben. Und dann nach zwei kleinen Wellen war ich auf dem höchsten Berg von Hamburg. Er ist gekennzeichnet durch einen echt schönen gut gestalteten großen Gipfelstein. Mehr aber als dieser Stein und seine Aufschrift gibt es auch nicht. Eine Ausnahme gibt es doch – ein in die Erde eingelassener Blechkasten mit eventuell Gipfelbuch. Als ich den Deckel anhob, schaute ich in die Tiefe und sah einen Müllhaufen. Ich unterließ es, mich auf den Bauch zu legen, um dann darin herumzuwühlen.

Wenige Minuten nach mir erreichte ein anderer Mountain-Biker den Gipfel. Ich sprach ihn an, ob er mir einen Weg für die Abfahrt empfehlen könnte (mehrere sind vorhanden), da der Weg bergauf sehr untauglich war. Mit sehr verächtlicher Stimme machte er mir klar, dass das halt Mountainbike-Gelände sei und nicht für solche „Normalo-Räder“ wie meins und zeigte dabei mit dem genau so verächtlichen Gesichtsausdruck auf mein Rad. Zumindest hat er sich dann herabgelassen, ein Foto von mir zu machen.

Auf dem Weg nach unten bin ich mehrmals wieder umgekehrt und habe einen anderen Abzweig versucht. An einer Stelle habe ich mein Rad durch tiefen Sand hin und zurück geschoben, bis ich endlich wieder aus dem Wald heraus und im Ort angekommen war. Das letzte Stück ging es dann auf dem Asphalt zurück zu meinem Auto. Nach 3 km zum Gipfel hin zeigte mein Tacho am Ende insgesamt 10,8 km in 0:51 h.

Mit dem am Auto gut verstauten Pedelec überwand ich nun die Strecke bis nach Bremen wieder begleitet von einem deftigen Schauer. Am Ziel angekommen, fuhr ich am Ortsausgangsschild von Bremen vorbei. 30 m danach parkte ich mein Auto am rechten Straßenrand ab. Der linke Straßenrand ist die Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen und der Friedehorstpark liegt auf der linken Straßenseite. In diesem Park befindet sich der höchste Punkt Bremens. Gleich am Eingangstor kam mir eine junge Frau entgegen, die den Gassigang mit ihrem kleinen Hund beenden wollte. Ich sprach sie an, wo ich denn den höchsten Punkt Bremens finden würde.

Sie ergriff sofort die Initiative, mir die Stelle zu zeigen. Nur ihr Hund hatte überhaupt keinen Bock darauf, wieder in den Park zurückzukehren. Ihn zog es sehr offensichtlich nach Hause. So wurde er umgehend hochgehoben und ab sofort getragen. Da es auf der einen Seite sehr matschig sein sollte, führte mich die junge Frau in einem Bogen um die Stelle herum. Aber auch hier musste ich wegen des vorausgegangenen Niederschlages am Ende durch den Schlamm waten. In einer Beschreibung von vor 13 Jahren stand, dass der „Gipfel“ auf einer Wiese neben einer einzelnstehenden Platane sein sollte. Wirklich ist er deutlich erkennbar und nicht zu verfehlen auf einem von Bäumen und Sträuchern umwachsenen Buckel. Sehr erfreut hat mich, dass jemand ein echt niedliches kleines Kreuz aufgestellt hat, um auf den besonderen Punkt aufmerksam zu machen.

Den Rückweg zum Auto nahm ich jetzt ohne Umweg auf der kürzesten Linie über eine komplett unter Wasser stehende aufgeweichte Wiese. Damit habe ich nun insgesamt schon 7 Gipfel, einen Zipfel, die größte und die kleinste Stadt Deutschlands besucht. In zwei Wochen werde ich die Reise nach West/Südwest mit weiteren sechs Gipfeln und einem Zipfel fortsetzen.

LuSche