Tag 12 - 02.05.2026 - Fahrt zu Luther und Cranach
Gestern hatte ich in der Jugendherberge in Bernburg noch ein Ehepaar kennengelernt. Die Frau musste in einem Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr zu einer Wochenendtagung. Der Mann hatte sein Rad mitgebracht und möchte Samstag und Sonntag von Bernburg aus den Saaleradwanderweg einmal Richtung Süden und einmal Richtung Norden fahren. Und von ihm erfuhr ich, dass sie aus Grimma kommen und er schon mit dem Rad bis Kopenhagen gefahren war. So erzählten wir uns jede Menge Rad-Latein und hauten uns gegenseitig die Taschen voll.
Heute nun begab ich mich auf eine typische „Überführungsetappe“ (Transfer). Möchte man von einem Berg zum anderen, muss halt auch mal Strecke überwunden werden. Ich bin auf dem Weg von B nach B, Bernburg nach Berlin heute bis Wittenberg gekommen. Auf dem Markt empfing mich das große Luther-Denkmal und meine Übernachtung findet in der Cranach-Herberge mit den Cranach-Höfen auf dem Markt statt. In diesem Haus mit den Werkstätten und Ateliers lebten und arbeiteten sowohl Lucas Cranach der ältere als auch Lucas Cranach der jüngere, die beide eng mit Luther befreundet waren.
Auf dem Weg dahin kam ich mal über Feldwege, mal über kleine Landstraßen von Dorf zu Dorf nach knapp 30 km bis Aken (Elbe). Hier fielen mir zwei alte Stadttore auf und sonst nichts weiter. Samstagvormittag gegen halb elf fehlten Menschen auf der Straße fast vollständig. Die Stadt wirkte wie ausgestorben.
Ab jetzt radelte ich auf dem wunderbar ausgebauten Elbe Radweg stromaufwärts. Mein Navi wollte mich zwar ständig zurück auf die Straßen holen, weil der Weg dort womöglich kürzer wäre, aber ein 1,5 m breites glattes Asphaltband abseits der Straße mitten durch die Natur ist viel schöner, auch wenn der Weg dadurch etwas länger wurde durch die vielen Ortsumfahrungen.
Am Ortsausgang von Dessau-Roßlau nach über 40 km überquerte ich über eine hübsche Holzbrücke die Mulde. Von nun an fuhr ich bis Wittenberg-Piesteritz immer durch die Natur und in der zweiten Hälfte immer dicht an der Elbe entlang. Dabei rollte ich komplett flach durch die Auenlandschaften von Mulde und später Elbe. Es ging durch grüne blühende Wälder, hindurch zwischen saftig blühenden Wiesen und auch mal kilometerlang unter einem „Blätterdach“ hindurch. Begleitet wurde ich dabei nur vom Gezwitscher der Vögel. Auffallend war dabei der Weg durch den Waldpark am Sieglitzer Berg mit seinen drei Eingangstoren.
Ich streifte dann noch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und setzte in Coswig mit der Fähre über ans andere Elbeufer.
Meine kommunikativen Momente am heutigen Tag beschränken sich auf ein „Guten Morgen“ im Frühstücksraum, ein „Hallo“ und „Tschüss“ zum Fährmann und ein „Schönen guten Tag“ an der Rezeption der Cranach-Herberge. Am Ende des Tages war ich 81,4 km in 4:07 h geradelt. Der härteste Moment des Tages kam aber noch. Ich musste mein Gepäck über insgesamt 67 Stufen eine Wendeltreppe hinauf hoch in die 3. Etage schleppen. Am Montag steht eine ähnliche Überführungsetappe bis nach Potsdam auf dem Programm.
LuSche


